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Harmonium-Harmoniumspieler-Dirigenten und Chöre betreffend!
Schreiben von Johann Gottfried Bischoff, Frankfurt am Main, August 1912
Original: loses Blatt DIN-A4, Schreibmaschine
Originaldokument als GIF, 57KB
Frankfurt a/m,August 1912.
Harmonium-Harmoniumspieler-Dirigenten und Chöre betreffend!
Meine lieben Brüder und Vorsteher!
Mein bestreben geht dahin,den mir vom l.St.Apostel anvertrauten Teil der Brautgemeinde des Herrn,der Vollkommenheit entgegenzuführen. Dazu gehört vor allem der innere Ausbau,oder Schmuck.Die Organisation in meinem Bezirke ist nunmehr vorhanden und kann ich somit wider einen Schritt weiter gehen!Wenn es von dem Tempeldienst im alten Bunde heisst,dass die Sänger usw.waren alle in ihrer Ordnung aufgestellt gewesen zum Lobe Gottes,so ist damit bewiesen,dass Schranken gesetzt waren, worin sich die Betreffenden zu bewegen hatten.Wenn nun der Schatten seine Ordnungen hatte,wieviel mehr soll die Ordnung da gefunden werden,wo das Wahrhaftige ist.Ich habe bis jetzt für die Musik und Gesangchöre noch keine Anweisungen gegeben, aber es ist zur Notwendigkeit geworden,auch hierin eine Bestimmung zu geben,nach welcher der musikalische Teil kann aufgebaut werden.
I.
Harmonium und Spieler betreffend.
Ein Harmonium kann nur der Gemeinde geliefert werden,wo ein Spieler vorhanden ist.Jeder Vorsteher,der in der Gemeinde einen Spieler hat,der aber vor allem ein Apostolisches Leben führt,kann dies auf dem Dienstwege durch seinen Bischof mir mitteilen,damit ich den Spieler auf seine musikalischen Kenntnisse hin prüfen kann,oder Anweisung gebe,dass er geprüft wird.Der Spieler mus in der Lage sein,dass er die in unserem Gesangbuche vorkommenden Lieder spielen kann.Wenn seine Kenntnisse genügen,dann werde ich ein Harmonium liefern.Ist in einer Gemeinde kein Spieler vorhanden,[da]nn kann ja der Vorstehr in der Gemeinde eine Anregung geben, denn es sind doch in jeder Gemeinde junge Brüder,die vielleicht gerne würden das Opfer bringen u.Spilen lernen.Die Unkosten sind nicht sehr bedeutend.Mann bekommt in jeder Stadt in den Musikinstrumenten handlungen ein Harmonium zum lernen geliehen zu 3-5 Mark im Monat, dazu kommen nocht etwa 20 Lehrstunden a 1 Mark,so dass dann die Gesamtunkosten sich etwas auf 40-50 Mark belaufen.Wer in der Liebe zu dem Werke Gottes dies Opfer bringen kann, der wird seine ewige Freude daran haben.Am besten lernt man in der Zeit vom 12-20 Lebensjahr.
II.
Dirigenten und Chöre betreffend.
Gründung eines Gesangschors!Ein Gesangschor darf nur mit der Genehmigung des Apostels gegründet werden.Die betreffende Gemeinde soll wenigstens 150-200 Seelen stark sein, in Ausnahmefällen entscheidet der Apostel. Der Vorstehr hat dem Apostel auf dem Dienstwege zuerst den in Frage kommenden Dirigenten nahmhaft zu machen,dessen Verhältnisse genau zu schildern,ob er ledig,verheiratet,verwitwet,geschieden ist,ob seine Verhältnisse geordnet sind u.nicht etwa verschuldet ist,was sein Beruf ist u.ob er in der Gemeinde einen guten Ruf hat u.ein apostolisches Leben führt.Die [P]rü[fu]ng seiner Musikalischen Kenntnisse behalte ich mir vor,ob persönlich, oder durch einen von mir beauftragten Dirigenten.Ich werde dann dem Vorsteher auf dem Dienstwege die Nachricht zukommen lassen,ob der Chor gegründet werden darf, oder ob ich die zeit für noch nicht gekommen erachte. Ist die Genehmigung erteilt,dann darf sich der Dirigent erst die Stimmen aussuchen,jedoch ist bei der Auswahl der Stimmen darauf zu achten,dass ehrbare Personen ausgesucht werden,denn der Chor ist eine Frucht am Gemeindebaum u.die soll für den Geist u.die Seele erquickend sein.Lassen sich die Chormitglieder aber in einem Wandel finden der nicht gut ist, dann verliert der Chor seinen Wert,darauf nun jeder Dirigent achten.Die Stärke des Chors richtet sich nach der Grösse der Gemeinde u.des Locals. Ein Chor soll nicht unter 12,aber auch nicht über 50 Stimmen stark sein! Jeder Chor darf eine Chorkasse gründen,die Bestimmungen darüber sind von dem Vorsteher bei mir einzufordern.Ebenso ist eine Anweisung über die Anschaffung von Bücherschränken,Notenbücher u.Musikinstrumente einzuholen.
III.
Noch ein Wort an die Dirigenten.
Ein Dirigent mus vor allem ein Herz voller Liebe haben,damitihm die Geduld nicht ausgeht,er mus bedenken,dass er ein Lehrer der Unwissenden ist. Ferner mus er Herzensbildung haben,er mus bedenken,dass er Schafe Christi vor sich hat,die er lehren,aber nicht schlagen soll durch harte Worte.Er soll im Bewusstsein stehen,dass durch den Gesang Gott gelobt wird,aber es soll keine Kunst sein.Hier möchte ich auch sagen:Wenn ein Dirigent alle musikalischen Kenntnisse hat u. ein Meister der Tonkunst ist,hat er aber der Liebe nicht,dann hat es keinen Wert.Jedes Lied,was nicht in unserem Notenbuche steht mus bevor es gesungen wird in doppelter Ausfertigung mir eingereicht werden,denn ein Lied was die Genehmigung des Apostels nicht hat ist nicht Apostolisch.
Dies sendet mit herzlichem Gruss Euer J. G. Bischoff
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