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Index Artikel in der Zeitschrift "Singet dem Herrn. Zeitschrift für die Chöre der Neuapostolischen Kirche", Nr.2, 1.März 1955. Hg.: Verlag Friedrich Bischoff, Frankfurt am Main 1955. S.11f.

Auf Adlersflügeln getragen


Jesus sagte einmal:"Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben" (Johannes 6,63). Er bezeugte weiter laut Johannes 14, 24: "Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat." Niemand von den Kindern Gottes wird bestreiten wollen, daß das Wort des Herrn von einer vollkommenen Klarheit ist. Und wenn wir die ganze Bibel durchlesen, nie werden wir feststellen müssen, daß, der Herr sich in seinen Worten widerspricht. Was Gott vor Tausenden von Jahren verkünden ließ, fand seine wunderbaren Parallelen in den Worten Christi und der Apostel der Urkirche. Paulus schrieb an die Korinther: "Denn wir sind nicht, wie die vielen, die das Wort Gottes verfälschen; sondern als aus Lauterkeit und als aus Gott reden wir vor Gott in Christo" (2. Korinther 2, 17). Wie s i e verkündigen auch die Knechte des Herrn in unserer Zeit, der Endzeit, ein Wort, welches aus dem Geiste Christi kommt und deshalb klar und verständlich ist. Sie wachen darüber,daß auch die dienenden Brüder dem Volke Gottes ein unverfälschtes und klares Wort übermitteln.

Ich glaube nicht, daß jemand von uns dafür Verständnis aufbringen würde, wenn sich zum Beispiel in "Wächterstimme" und "Jugendfreund" widersprechende Beiträge fänden. Der Heilige Geist kann sich nicht widersprechen, ein Widerspruch kommt immer aus menschlichem Geist.

Um so bedauerlicher finden wir es, daß in unseren Gottesdiensten seit Jahren und immer noch Lieder gesungen werden, die, auch wenn sie nur eine Strophe umfassen, ein Widerspruch in sich selbst sind. Wir haben hier einmal das überall bekannte Lied "Auf Adlersflügeln getragen" gewählt, um zu zeigen, wie man hier einen Text bedenkenlos singt, der gar keine klare Linie aufweist und dessen einzelne Teile widersprechen. Hier nun der Text:

Auf Adlersflügeln getragen
über's brausende Meer der Zeit,
getragen auf Adlersflügeln
bis hinein in die Ewigkeit.
Ueber Berge und Täler und Gründe,
immer höher zur himmlischen Höh,
denn die Flügel sind stark, die mich tragen,
die Flügel, auf denen ich steh'!
Und unter denselben Flügeln,
wie wunderbar ruhe ich aus!
Das ist meine Zufluchtsstätte,
mein festes, sich'res Haus.
Der Feind mag über mir kreisen,
und zielen und spähn wie er will;

(Seite 12)


die Flügel sind stark, die mich decken,
und unter den Flügeln bleibt's still.
Ja, unter den Flügeln geborgen
und auf den Flügeln bewahrt,
das gibt ein seeliges Ruhen,
das gibt eine glückliche Fahrt;
das gibt ein sicheres Wissen
bei wechselnder Pilgerschaft:
denn unter den Flügeln ist Frieden,
und auf den Flügeln ist Kraft.

Sehen wir uns den Text genau an, so stellen wir fest, daß uns mit den Worten des Dichters zwei Bilder entworfen werden, einmal die tragenden und einmal die deckenden Flügel.

Es wird zunächst dargestellt, daß wir von den mächtigen Adlerschwingen bis hinein in die Ewigkeit getragen werden. Das ist gut und schön gesagt. Dann aber spricht der Dichter plötzlich davon, daß es sich unter den Flügeln wunderbar ausruhen läßt. Dieser Vergleich ist schlecht getroffen. Wenn wir an die schützenden Flügel denken, so sehen wir doch sofort die Henne mit ihren Küchlein vor uns! Wer sollte wohl der Feind sein, der über dem Adler kreisen und ihn bedrohen will?

Ist es nicht so, daß die Henne ihre Flügel ausbreitet, um die Küchlein vor dem Feind, dem Adler, zu schützen? Jesus sprach einmal davon, daß er die Kinder Israels habe versammeln wollen wie die Henne ihre Küchlein. Er wollte sie doch schützen, damit sie Ruhe finden sollten! Wenn wir nun auch einmal vom sachlichen und sprachlichen Standpunkt aus das Lied betrachten, so fallen uns noch viele Dinge auf, die zu bemängeln sind. Richtig müßte es nämlich heißen: "V o n Adlersflügeln getragen", und auf den Flügeln könnte man auch nicht stehen, weil ja der Adler mit ihnen schlägt, um sich fortzubewegen. Es ist auch nicht richtig, daß von einer glücklichen Fahrt und einer wechselnden Pilgerschaft gesprochen wird, denn ein Adler fliegt ja. Und der Adler hat nicht auf, sondern in den Flügeln seine Kraft. Es wäre müßig, auch noch über dichterische Mängel zu sprechen.

Mag das Wenige genügen, uns zu beweisen, daß der Text einer kritischen Betrachtung nicht standhalten kann.

Wir wollten an diesem Beispiel, das für viele ähnliche steht, einmal aufzeigen, daß es schon seinen Grund hat, wenn wir ein Lied ablehnen, und wir bitten unsere Dirigenten, helft uns mit, damit unseren Geschwistern nicht solche Lieder vorgesungen werden, die inhaltlich wenig Sinn und keine klare Linie aufzuweisen haben.

H.O.,M.
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