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Artikel in der Zeitschrift "Singet dem Herrn. Zeitschrift für die Chöre der Neuapostolischen Kirche", Nr.2, 1.März 1955. Hg.: Verlag Friedrich Bischoff, Frankfurt am Main 1955. S.11f.
Ich glaube nicht, daß jemand von uns dafür Verständnis aufbringen würde,
wenn sich zum Beispiel in "Wächterstimme" und "Jugendfreund" widersprechende Beiträge
fänden. Der Heilige Geist kann sich nicht widersprechen, ein Widerspruch kommt immer
aus menschlichem Geist.
Um so bedauerlicher finden wir es, daß in unseren Gottesdiensten seit Jahren und immer
noch Lieder gesungen werden, die, auch wenn sie nur eine Strophe umfassen, ein Widerspruch
in sich selbst sind. Wir haben hier einmal das überall bekannte Lied "Auf Adlersflügeln
getragen" gewählt, um zu zeigen, wie man hier einen Text bedenkenlos singt, der gar keine
klare Linie aufweist und dessen einzelne Teile widersprechen. Hier nun der Text:
(Seite 12)
Sehen wir uns den Text genau an, so stellen wir fest, daß uns mit den Worten des
Dichters zwei Bilder entworfen werden, einmal die tragenden und einmal die deckenden
Flügel.
Es wird zunächst dargestellt, daß wir von den mächtigen Adlerschwingen
bis hinein in die Ewigkeit getragen werden. Das ist gut und schön gesagt. Dann aber
spricht der Dichter plötzlich davon, daß es sich unter den Flügeln wunderbar
ausruhen läßt. Dieser Vergleich ist schlecht getroffen. Wenn wir an die schützenden
Flügel denken, so sehen wir doch sofort die Henne mit ihren Küchlein vor uns!
Wer sollte wohl der Feind sein, der über dem Adler kreisen und ihn bedrohen will?
Ist es nicht so, daß die Henne ihre Flügel ausbreitet, um die Küchlein
vor dem Feind, dem Adler, zu schützen? Jesus sprach einmal davon, daß er die
Kinder Israels habe versammeln wollen wie die Henne ihre Küchlein. Er wollte sie doch
schützen, damit sie Ruhe finden sollten! Wenn wir nun auch einmal vom sachlichen und
sprachlichen Standpunkt aus das Lied betrachten, so fallen uns noch viele Dinge auf, die
zu bemängeln sind. Richtig müßte es nämlich heißen: "V o n
Adlersflügeln getragen", und auf den Flügeln könnte man auch nicht stehen, weil
ja der Adler mit ihnen schlägt, um sich fortzubewegen. Es ist auch nicht richtig, daß
von einer glücklichen Fahrt und einer wechselnden Pilgerschaft gesprochen wird, denn
ein Adler fliegt ja. Und der Adler hat nicht auf, sondern in den Flügeln seine Kraft.
Es wäre müßig, auch noch über dichterische Mängel zu sprechen.
Mag das Wenige genügen, uns zu beweisen, daß der Text einer kritischen Betrachtung
nicht standhalten kann.
Wir wollten an diesem Beispiel, das für viele ähnliche steht, einmal aufzeigen, daß
es schon seinen Grund hat, wenn wir ein Lied ablehnen, und wir bitten unsere Dirigenten, helft
uns mit, damit unseren Geschwistern nicht solche Lieder vorgesungen werden, die inhaltlich
wenig Sinn und keine klare Linie aufzuweisen haben. |
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