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1. Können durch Musikrezeption Gewalttaten animiert werden ? Gegenwärtige Diskussionen und Erklärungsansätze


In einem Brief vom 13. Februar 1997 an Senator Joseph Lieberman, Washington DC, schreiben Richard und Christine Kuntz:

Dear Senator Lieberman. As part our families normal daily behaviour on the morning of December 12th, 1996, my wife started our son´s shower and went to wake him. But our son was not sleeping at bed, he was dead, he had killed himself. He has left us and is never coming back.
Dear sir, my son was listening to Marylin Manson´s "Antichrist Superstar" on the stereo when he died, [...] with the rough draft of a 10th grade English class paper about this artist, that his teacher had returned to him that day for final revisions, on the stand next to his body. The lyrics (enclosed) of "The Reflecting God", on that CD, read as an unequivocally direct inducement to take one's own life. [...]
We are all certainly free to make our own decisions regarding the value of content, but if you were to ask me, I´d say that the lyrics of this song, contributed directly to my son´s death. [...]
Sir, this music, because it glorifies inhumane intolerance and hate, and promotes suicide, contradicts all of the community values that people of good will, regardless of faith, ideology, economic or social position, share. Simply put, this music hurts us as a people. Our children are quietly being destroyed (dying), by this man´s music, by ones and twos in scattered isolation throughout our nation today. [...] (7)
Der geschilderte Selbstmord des 15jährigen Richard Kuntz, welchen er während des Hörens eines Titels von Marylin Manson begangen haben soll, löste in den USA eine Debatte über die Rolle der von Jugendlichen konsumierten Musik aus, inwieweit sie Gewalttaten begünstige oder verursache. (8) Für die Eltern des Jugendlichen und auch für eine breite Öffentlichkeit in Amerika ergibt sich in diesem Fall ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Selbstmordtat und der konsumierten Musik, da der nihilistische Text des gehörten Marylin-Manson-Titels den Selbstmord verherrliche und Richard Kuntz beim Hören dieses Songs Selbstmord verübte; ergo muß seine Entscheidung zum Selbstmord durch die konsumierte Musik ausgelöst worden sein. Eine populäre Meinung scheint es demnach zu sein, daß Musik direkt das menschliche Verhalten beeinflußt und somit auch Gewalttaten verursachen kann.

Die Annahme, daß Musikkonsum Gewalttaten auslösen kann, wird auch zugrunde gelegt, wenn die Entstehung von Gewalt und Krawallen während und nach Rockkonzerten erklärt und eine Ursache für die Genese dieser Gewalt gefunden werden soll. (9) Es sei noch ein Beispiel erwähnt, welches die gängige Meinung belegt, daß Musik eine



(7) Kuntz, Raymond; Kuntz, Christine: Brief vom 31.2.1997 an Senator Joseph Lieberman. http://www.senate.gov/~brownback/music/kuntz.html. [Kansas] 1997. [Anmerkung 27.08.2000: Link inaktiv]

(8) Einen Einblick in die stattgefundene Diskussion gibt das am 6.11.1997 stattgefundene Informational Hearing on "Music Violence: How does it Affect our Children ?", welches im WWW wiedergegeben wird: Brownback, Sam [Hg.]: Music Violence. http://www.senate.gov/brownback/music.html. [Kansas] 1997. [Anmerkung 27.08.2000: Link inaktiv]

(9) vgl. Neitzert, ebd.;
sowie Taborek, Stefan: Heavy Metal und Rap: Welche Auswirkungen sind bekannt ?. http://www.sachsen-info.de/stab/t5/st_5_345.html. [Anmerkung 27.08.2000: Link inaktiv]

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